Schauspiel 2005: Pech und Puder

Autor von "Pech und Puder" ist Florian Schwartz, das Schauspiel bzw. die Urheberrechte werden vom Verlag "scaenanova theaterverlag" verwaltet.

Der Bischof von Passau, Kardinal Johann Philip von Lamberg, der zugleich der Prinzipalkommissar am immerwährenden Reichstag zu Regensburg ist, verkündet auf Wunsch des Kaiserhauses Habsburg die Reichkriegserklärung an Frankreich, die sich indirekt auch gegen das vom frankophilen Wittelsbacher Kurfürsten Max II. Emanuel geführte Bayern richtet. Der Diplomat Lamberg, der seinen Aufstieg zum Kardinal sowohl der bayerischen, wie der österreichischen Seite zu verdanken hat, steht nun zwischen den Fronten der kämpfenden Parteien um das spanische Erbe. Die Gattin von Max Emanuel beginnt mit ihrem Intrigenspiel, indem sie Lamberg bittet Partei für Bayern und Frankreich zu ergreifen und eröffnet ihm gleichzeitig den Ausblick auf den Thron des Primus Germaniae in Salzburg. Während Lamberg an seiner Karriereleiter strickt, entwickelt sich fernab vom Reichstag in seiner eigenen Diözese ein dunkles Kapitel.

Der böhmische Soldat Jakob, der einst in den Türkenkriegen gekämpft und in denen er seine Frau und sein Kind verloren hatte, ist auf der Suche nach Arbeit und einer Schlafstatt. Beim Fruth-Hof erhält er Arbeit, zwar nicht gegen Bezahlung, allerdings für ein tägliches Brot und Unterschlupf. Während sich im Laufe der Zeit zwischen Jakob und der Dienstmagd Afra eine ungewöhnliche Liebesbeziehung entwickelt, wittert die Fruth-Tochter und Erbin des Hofes Theres bei ihrer Nachbarin Maria Kölbl unrechtmäßige Geschäfte. Sie redet ihrem Mann Gregory Prambl ins Gewissen, er sollte intensiver auf den eigenen mittlerweile heruntergewirtschafteten Hof schauen, um sich nicht von der alten Nachbarin übertölpeln zu lassen. Gregory dagegen flüchtet sich vor den Tatsachen der Wirklichkeit in alkoholische Exzesse und wirft ein Auge auf die Dienstmagd Afra, die sich ihm allerdings verweigert. In mehreren Misshandlungen bekommt sie Gregorys Exzesse am eigenen Leib zu spüren. Um den Schmerzen zu entfliehen, schickt Afra das kleine Hüterdirn Maria zur alten Kölblin, die ihr eher widerwillig eine Salbe mitgibt, die unter äußerst geringer Dosierung von den Schmerzen befreit, als Gegenleistung erhält die alte Kölblin - ohne Wissen des Prambls - Butter und Rahm vom Fruth-Hof. Afra bemerkt selber allerdings nicht, dass sie mit diesem Geschäft nicht nur das Misstrauen und den Neid der Theres Prambl gegen die Nachbarin schürt, sondern sich auch in eine zunehmende Drogenabhängigkeit stürzt.

Während am Reichstag unterdessen der Missmut der Gesandten Baron Aham und Baron Seilern keimt, finden sich bei einem wilden Zigeunerlager in der Nähe von Wittersitt die tanz- und feierlustigen Männer der Umgebung ein, um in einem Rausch der Sinnesfreuden dem Alltag zu entfliehen. Auch Afra ist anwesend. Als uneheliche Tochter eines Zigeuners ist sie auf der Suche nach ihrem Vater. Die Zigeunerin Elvira glaubt sie als eine von ihnen zu erkennen und will ihr die Hand lesen, um diese Bestätigung in der Vergangenheit zu suchen. Bei ihrem Blick in die Zukunft prophezeit sie jedoch eine Vielzahl ungereimter Ereignisse, die noch dazu vom Zigeuner Miksa falsch übersetzt werden: Ausrufe wie "Ein roter Wurm", "Feuer" und "Tod" versetzen auch die sonst so feierlustigen Männer in Angst. Afras Bild als ein Fremdkörper im Volke nimmt immer stärkere Konturen an.

In seiner Karfreitagspredigt betont Pater Corbinian Weck das Vorhandensein des Bösen in der Gesellschaft, das für Not und Elend des Volkes verantwortlich sei. Das subjektiv Böse wird umgemünzt und die Fakten kombinierend werden Afra Dick und Maria Kölbl zunehmend zu Sündenböcken in den Gedanken des in Hysterie ausbrechenden Volkes.

Am Reichstag verschärft sich mittlerweile auch die Lage für Lamberg. Am Gründonnerstag steht unvermittelt Max Emanuel mit einem überlegenem Heer kampfbereit vor den Toren. Die Gesandten des Reichstages erbitten die Ausreisegenehmigung und fürchten um die Auflösung des Reichstags. Lamberg nimmt sofort die Friedensvermittlung auf. Jakob will mit Afra aus Wittersit fliehen. Kurz vor der Flucht wird jedoch Afra von Gregory Prambl erneut überrascht. In dem Glauben sie werde sowieso noch in selbiger Nacht verschwinden, rächt sich Afra an Gregory und gesteht ihm, von ihm schwanger zu sein. Aus Angst und Wut schlägt Gregory Afra zu Boden und sagt ihr, er werde schon wissen, was zu tun sei. Um ihre brutalen Schmerzen zu lindern, reibt sie sich komplett mit der Salbe ein, deren Wirkung unmittelbar einsetzt. Der fluchtbereite Jakob findet Afra in einem verwirrten Zustand vor. Er fühlt sich verraten und verschwindet alleine bei Nacht und Nebel. Plötzlich steigen Rauch und Feuer auf, der Hof steht in Flammen. Gregory erscheint in der Tür des Zimmers: bereit den Sündenbock an den Pranger zu stellen.

Am Reichstag zu Regensburg trifft die Nachricht eines Hexenprozesses ein. Der Überbringer dieser Nachricht trifft auf Baron Aham und dem Konkommissar Seilern. In einem beigefügten Brief des Paters Korbinian Wenck, wird den hohen Herren sofort bewusst, auf was für einer Basis sich dieser Prozess abspielt. Um aber dem aufstrebenden Lamberg endlich einen Keil in seine diplomatischen Bestrebungen zu rammen, wird ohne Lambergs Wissen - aber in seinem Namen - der Prozess gebilligt.

Das große Intrigenspiel beginnt!











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