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Schloss Fürsteneck



Etwa 20 km nördlich von Passau, dort wo die Wolfsteiner Ohe in die Ilz mündet, liegt die Ortschaft Fürsteneck. Die Gemeinde vereinigt in ihrem Bezirk die umliegenden Dörfer Anzenreut, Aschberg, Atzldorf, Dürnberg, Hochwegen, Loizersdorf, Ohbruck, Plattenhof, Schnürring, Schrottenbaummühle, Simpoln und Wiesmühle. Diese Bedeutung verdankt Fürsteneck seiner geschichtlichen Tradition und damit seinem Wahrzeichen, der gleichnamigen Burg. Diese liegt auf einer bewaldeten, schroff gegen die Ohe abfallenden Bergzunge im süd- lichen Teil der Ortschaft. Der landschaftliche Reiz dieses Ortes wird dadurch unterstrichen, dass sich in 60 m Tiefe die Wolfsteiner Ohe schützend um den bewaldeten Hang schmiegt, auf dessen Höhe die malerische Burg thront. Erreichbar ist das romantische WaldSchloß Fürsteneck nur von einer Seite und zwar von Norden her aus der Ortschaft kommend.

Durch die etwa sechs Meter hohe Bering-Mauer war das Leben auf der Burg von der Außenwelt abgeschlossen. An die Zeit, als nur erbetene Gäste mit der Zugbrücke in die Burg geholt wurden, erinnert noch ein etwa sieben Meter tiefer Halsgraben. Heute führt ein Wanderweg um die Burg herum.


Die Burg ist von Norden her zugänglich. Über die steinerne Brücke gelangt man zum massiven Torturm, der in seiner Anlage noch aus dem Mittelalter stammt und 1570, wegen eines Brandes, renoviert wurde. Das Satteldach und die innere Raumaufteilung wurden um 1830 noch einmal erneuert. Heute befindet sich im Inneren des Turms eine Wohnung. Die Durchfahrt öffnet sich in einem Rundbogen und besitzt ein Tonnengewölbe. Das eiserne Tor wurde 2006 angebracht.

Der Weg führt vom Torturm vorbei am ehemaligen Pferdestall, in dem sich heute eine Wohnung befindet, hin zum Bergfried. Dieser stammt laut Angaben noch aus der ersten Bauzeit. In der vorderen Hälfte des Burghofes stehend, ragt er auf einer quadratischen Grundfläche ca. 25 Meter empor. Die Bruchsteinmauern, unten 4 Meter und in 25 Meter Höhe verjüngt auf 2,5 Meter. Der Bergfried war mit einem hölzernen Wehrumgang versehen, wie die in gerader Linie um den Turm laufenden Balkenlöcher noch heute erkennen lassen. Am Fuße des Turmes befindet sich eine Öffnung, die erst in späterer Zeit durch die dicke Mauer gebrochen wurde. Der ursprüngliche Eingang war, wie bei Wehrtürmen dieser Art, viel höher. Die früher spitzbogige Einstiegsöffnung ist zugesetzt und war vom Hof aus über eine hölzerne Treppe zugänglich. Von der Einstiegsöffnung führt in der Mauerdicke ein schmaler, tonnengewölbter Gang in das schachartige Innere. Einzelne Lichtschlitze sind sichtbar. Der Turm ist durchweg in Bruchsteinmauerwerk in eisenfestem Verband aufgeführt. Nicht der stetig nagende Zahn der Zeit könnte dem Eisenkörper etwas anhaben, doch ein beträchtlicher Teil wurde im oberen Bereich abgetragen. Der Blitz eines Gewitters verursachte 1879 einen Riss in der Mauer. Der einst mit Zinnen gekrönte Turm trägt heute ein niedriges Pyramidendach aus Blech, mit Dreiecksdachgauben auf jeder Seite, gekrönt von einem schlanken hölzernen Türmchen, welches die Glocken der Pfarrgemeinde Fürsteneck birgt.

Bereits im Zentrum des Burghofes angelangt, stehen wir nun den zweigeschossigen Wohngebäuden gegenüber. Die erstrecken sich hufeisenförmig über den gesamten südlichen Trakt. Von außen gesehen erinnert der heutige Wohnbau nicht mehr an eine mittelalterliche Burg. Dennoch wurde bei den Umbauten im wesentlichen der alte Grundriss beibehalten, teilweise wurde auch auf dem alten Mauerwerk aufgebaut, z.B. im neu renoviertem Weinkeller wo der Fels hervorragt und somit einen 'urigen' Raumeindruck schafft. Das einzige Relikt aus dem 17. Jahrhundert ist ein Wappenrelief am Mittelflügel, von Akanthus gerahmt.

Über eine seitliche Steintreppe gelangt man in einen mit einem Kreuzgratgewölbe gedeckten Vorraum. Zur Rechten befindet sich die Tür zur Gaststube. Sie hat eine schmiedeeiserne Vortür aus dem 17. Jahrhundert, die als besondere Zierde eine Mittelrosette, einen reich verzierten Griff und einen kunstvoll gehämmerten Rankenbeschlag aufweist. Ihr Wert wird durch ein aufgemaltes Wappen des Bischof Sebastian von Pötting erhöht. Die eigentliche Tür ist eine schlicht gefelderte mit Bandbeschlägen verzierte Holztür. Der Türstock stammt noch aus dem 17. Jahrhundert. Auf seinem Sturz trägt er die Zahl 1688. Die Seitenpfosten dieses hölzernen Türstocks haben vorgelegte geschuppte Hermenpilaster mit je einer Knorpelwerkmaske an Sockel und Kämpfer, der Sturz ist mit stark stilisierten Akanthuszweigen geziert, darüber kargt ein Gesims mit Zahnschnitt und Eierstab.

Der Hauptraum des Restaurants ist ca. 60 qm groß und wird geprägt von einem massiven Mittelpfeiler, der an den Ecken abgekantet ist und auf den sich vier Kreuzgratgewölbe stützen. Diese gehören dem späten 16. Jahrhundert an. Eindrucksvoll ist auch die Mauerstärke an der Außenwand - wie erwähnt wurden die Wohngebäude teilweise auf alten Mauern, vorallem der Ringmauer aufgebaut - die sich in den Fensternischen erahnen lässt.

Vom Hauptraum aus gelangt man links in einen Nebenraum in der Ecke des Berings, dem Jagdzimmer. Dieses ist ebenfalls mit einem Kreuzgratgewölbe überdeckt. Wertvoll ist hier auch die Tür zum Hauptraum. Sie zeigt auf beiden Seiten dieselbe Umrahmung. Die Tür hat Fenstereinsätze, von Masken und Ohrmuschelwerk umrahmt.

Vom Jagdzimmer führt noch eine kleinere Tür in ein gemütliches, nur etwa vier Personen fassendes Erkerstüberl. Diese Tür, die am Sturz die Jahreszahl 1689 trägt, hat Seitenpfosten mit gerieften Leisten. Das Gesims weist ebenfalls Eierstab und Zahnschnitt auf.

Zur Rechten des Hauptraumes gelangt man durch eine einfache Holztür in einen neuausgebauten Saal. Hier öffnet sich ein neuzeitliches aber stilvoll angepasstes Tor zum Kaminzimmer, dessen besonderer Reiz ein gemauerter, offener Kamin in der linken vorderen Ecke ist. Eine Säule als Träger, die laut Aussagen aus der Entstehungszeit oder zumindest aus der Zeit der Renovierung durch Bischof Urban von Trennbach stammt, gibt dem ehemaligen Rittersaal eine besondere Note. Außer der Mauerstärke, die sich in Tür- und Fensterbogen zeigt und der Säule, deutet nichts mehr auf eine Burg aus dem 13. Jahrhundert hin.

Der Rückweg aus dem Schlosshof führt entlang der Beringmauer durch den Torbogen hindurch zum Torturm und damit zum Ausgang. Bevor man aber diese eindrucksvolle Burg verlässt, fällt vor dem Torturm noch ein dreistöckiges Haus auf, das in seinem Stil ganz und gar nicht zu einem Schloss passt, das aber doch einen ehrwürdigen Namen besitzt: die 'Alte Wache'. Hier lebte und schaffte der Kunstmaler und Graphiker Josef Fruth.

 











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